Mittwoch, 8. Juli 2015

Iglo - Tiefkühlspinat- eine feine Sache?

Jeder kennt sie, die Werbung - vom Blubb und Iglo Rahmspinat: damals, vor 15 Jahren: mit Verona Pooth (Damals Feldbusch):



bzw. der Vorgänger dieser Werbung:


Durch den Studienauslandsaufenthalt in Münster und meiner Unterkunft dort bei einer Bauernfamilie (Kinderbauernhof Wigger ) habe ich weitere Verbindungen knüpfen können:

Die Schwester des Bauern Wigger führt mit ihrem Mann einen Gemüseanbaubetrieb in Reken. Sie sind mitunter Iglo-Vertragsbauern und produzieren seit über 25 Jahren für Iglo diverse Gemüsesorten - und auch den bekannten Spinat. Je nach Gebrauch und Verbrauch wird von Iglo pro Jahr festgelegt, was der Bauer für Iglo anpflanzen kann. Jedes Jahr wird dahingehend ein neuer Vertrag erstellt, den der Bauer unterschreiben kann, oder auch nicht.
Dieses Vertragsschema bindet den Bauern einerseits, biete ihm jedoch auch einen gewissen Grad an finanzieller Sicherheit (sofern es nicht zu Naturkatastrophen oder ähnlichem kommt).
Iglo kann mit solchen Verträgen auch Qualitätsstandards garantieren, wovon der Konsument dann ebenfalls profitiert.
Mehrmalige Qualitätskontrollen werden bereits am Feld durch Anbauberater durchgeführt. Ebenfalls wird nachgeprüft ob der Bauer die von Iglo gesetzten Vorgaben und Standards auch erfüllt.
Zu den Vorgaben gehören beispielsweise der kontrollierte Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden:
Iglo bestimmt mittels Bodenanalysen im werkseigenen Labor vor Anbaubeginn den Nährstoffgehalt des Bodens. Je nach Ergebnis wird spezifisch mineralischer Dünger einsetzt und alle Nährstoffe, die für einen guten Ertrag wichtig sind, im Boden zu haben. Wenn Phosphor fehlt, wird nur mit Phosphor gedüngt, wenn Nitrat fehlt, nur mit Nitrat. Somit kommt es nicht zu Überdüngung und der Einsatz von Düngemitteln erfolgt nach Mass und Ziel.
Der Boden wird geschont und Kosten für den Bauern gespart.
Pflanzenschutzmittel (Pestizide) werden nicht vorbeugend eingesetzt, sondern nur gemäss des Schadschwellenprinzipes. Das heisst: Situationsweise (bei Insektenbefall) werden Pestizide dann eingesetzt.

Um den Einsatz an Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) weiter zu minimieren, ist eine der Vertragsvorgaben, dass der Bauer am Rand jedes Feldes Blumen und Gräser ansähen muss: Hier tummeln sich Insekten aller Art. Da sie einen Platz  für Nahrung und zum Leben gefunden haben, ist der Schädlingsbefall im Feld geringer, und somit können weniger Pestizide eingesetzt werden.

Hier sieht man im Vordergrund den Blumenstreifen, dahinter wächst Petersilie

Blumenstreifen: Erhöhung der Biodiversität und Lebensraum
 für Bienen, Wespen und andere Insekten

Flächen, auf denen jemals Klärschlamm ausgebracht wurde, werden von Iglo nicht bewirtschaftet. Außerdem liegen etwa 10% der Anbauflächen von Iglo im Wasserschutzgebiet - dort sind strenger geregelte gesetzliche Anforderungen für den Anbau von Gemüsen einzuhalten. [3]
Ebenfalls darf beispielsweise auf einer Ackerfläche nur alle 4 Jahre Spinat angepflanzt werden. Mit  den verschiedenen Fruchtfolgen wird der Boden ebenfalls geschont, nicht ausgelaugt und gleichzeitig kann  für den Endverbraucher ein qualitativ hochwertiges Produkt zur Verfügung gestellt werden.

Im Übrigen dürfen Pestizide, wenn überhaupt, nur ganz zu Beginn der Aussaat (in den ersten Wochen) eingesetzt werden: Ansonsten sind Rückstände im Gemüse nachweisbar. Dieser Einsatz erfolgt mit Absprache der Iglo- Anbauberater.
Iglo Anbauberater legen den optimalen Erntezeitpunkt fest. Geschmack, Konsistenz, Nährstoffe, Nitrat, Gelbanteil, Blatt-Stielverhältnis und Blütenbildung überprüft. Dies gewährleistet das Ernten zum optimalen Zeitpunkt. Der Standard, den Iglo sich dahingehend selbst gesetzt hat: Von der Ernte am Feld bis zur Verarbeitung sollten nicht mehr als 3 Stunden vergehen. Meist kann dies auch eingehalten werden. Dies garantiert einen optimalen Nährwert im Gemüse, da ein wirklich frisches Produkt tiefgekühlt wird. Verglichen mit frischem Obst und Gemüse das im Supermarkt erhältlich ist und teilweise wochenlange Reisewege hinter sich hat, weist dieses Produkt eine weit höhere Dichte an Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen etc... auf.
Nach Ankunft des Gemüses im Werk werden Kontrollen durchgeführt: Für jedes Feld wird eine Stichprobe des Gemüses bei Anlieferung entnommen und auf Qualität, Schädlingsbefall und Pestizidrückständen ausgewertet.
 Ebenso wird registriert, welcher Spinat von welchem Bauern kommt. Dieser Spinat wird über die gesamte Produktionslinie nicht mit Spinat von anderen Bauern vermischt: somit kann der Konsument sogar "seinen Gemüsebauern" mittels App finden! Ein modernes technisches System der Rückverfolgbarkeit ermöglicht dies.

Aber Iglo- Vertragsbauern pflanzen nicht nur Spinat an: Kohl, Spinat, Basilikum, Petersilie werden auch angepflanzt und im Werk in Reken verarbeitet.

Nun hatte ich das grosse Glück für einen Tag mit dem Chef- Lebensmitteltechnologen von Iglo  als Praktikant "mitlaufen" zu dürfen. Hinter die Kulissen zu schauen, In den Arbeitsalltag eines Lebensmitteltechnologen bei Iglo reinzuschnuppern.
Aufgrund versch. Zertifizierungen (ISO; BRC; IFS) und den sich damit ergebenden hohen Sicherheitsstandards musste man vor Zugang im Betrieb die formellen Dinge abhandeln, und durchgehen. Genaue Einweisungen wurden durchgeführt: Vorgegebene Standards wurden korrekt Wiedergegeben, durchgeführt und eingehalten.
Fotografieren war nicht erlaubt: Betriebsinterne Abläufe dürfen nicht nach aussen getragen werden, was nachvollziehbar ist.

Gelagert werden die fertigen Tiefkühlprodukte im grössten Tiefkühlhaus Europas: 45m hoch und eine Innentemperatur von -28°C. Bei 9.500m3 können bis zu 57.162 Paletten gelagert werden.[4]
Dies zu sehen war eindrücklich.

In der Sensorik- Abteilung werden täglich die aktuell produzierten Chargen neu verkostet: Täglich die Qualität aller Produkte neu überprüft, bestimmt, und dann zum Verkauf zugelassen.

Im werkseigenen Mikrobiologie-Labor werden die Produkte auf mikrobielle Sicherheit kontrolliert. Bei Abweichungen von den Standards wird das Produkt nicht verkauft.

Am Ende jeder Produktionslinie stehen Waagen, die sicherstellen, dass das Verpackungsgewicht wirklich erreicht wurde und Detektoren, die nochmals prüfen, ob keine Metalle im Spinat sind.

Das Iglo- Werk in Reken [4]
Knapp 630 Vollbeschäftigte zählt sie Firma Iglo Deutschlandweit. Im Werk in Reken sind es derzeit um die 400.[1]

Iglo setzt sich für nachhaltige Ernährung ein, da sich der Nahrungsmittelverbrauch bis 2030 um 50% gesteigert haben wird, gleichzeitig aber 1/3 der Nahrungsmittel weltweit verloren geht.
Iglos Grundsätze sind deshalb in folgenden 3 Punkten [2] formuliert:

  1. Vermittlung an die Menschen, dass Tiefkühlkost eine nachhaltige Ernährung ermöglicht
  2. Angebot neuer Produktinnovationen für gesunde Ernährung
  3. Garantie der verantwortungsbewussten Beschaffung und Zubereitung der Lebensmittel
Iglo stellt die Vorteile der Tiefkühlkost dar: Es sei eine der besten Möglichkeiten um mehr Lebensmittel auf die Teller zu bekommen, abwechslungsreiche Kost ohne viel Aufwand täglich geniessen zu können.
Tiefkühlprodukte gehen zwischen "Ursprung und Teller" weniger leicht verloren oder verderben. Dadurch kann man Lebensmittelabfälle verringern.
Weil die Lebensmittel also direkt an der Quelle eingefroren werden, bleibt der Geschmack erhalten und bietet eine hohe Qualität. Außerdem kann Frische garantiert werden und der Nährwertgehalt des Endproduktes ist darum auch dementsprechend hoch. 


Mein Fazit: 

Die Besichtigung des Iglo-Werkes in Reken, und die geführte Tour mit den Landfrauen, die jeweils Dienstags bis Donnerstags mit Verkostung der Produkte angeboten wird, war eines der Highlights im Austauschsemester im Münsterland.
Beeindruckt war ich von den hohen Standards in der Produktion, die Iglo setzt, verfolgt und garantiert.
Der höher angesiedelte Preis für die Produkte hat seine Berechtigung und ist nach so einer Besichtigung absolut nachvollziehbar!
Aber falsch: Die Produkte von Iglo sind nicht mehr Hochpreisig: Sie sind Preis- WERT ( Sie sind den Preis wert!)



Quellenangaben:
[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Iglo_(Deutschland) aufgerufen am 08.07.2015
[2]http://www.iglo.de/Nachhaltigkeit_Qualitaet/ForeverFoodTogether aufgerufen am 06.04.2015
[3] http://www.iglo.de/Nachhaltigkeit_Qualitaet/Initiativen%20Nachhaltigkeit/Nachhaltige%20Landwirtschaft aufgerufen am 06.04.2015
[4]http://www.kiek-aes-reken.de/pdf/Kiek_aes_2_Auflage08.pdf aufgerufen am 08.07.2015

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