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Mittwoch, 26. August 2015

Praktikum in Ruanda: Passion Fruit Juice Production "hautnah!" English&German!


As I had the chance to do an internship in the juice producing company “Inyange”, I was able to see how passion fruit nectar in Kigali, Rwanda, is produced.

Wie schon in früheren Blogs erwähnt, habe ich die grossartige Möglichkeit in der Saft-herstellenden Firma "Inyange Industries Ltd." ein Praktikum zu machen. Als Europäer kommt man selten in den Genuss zu sehen, wie Passionsfruchtsaft hergestellt wird: Folgender Blog beschreibt den Herstellungsprozess im Groben, Die Bilder runden die Eindrücke ab und geben das wieder, was ich sehen durfte!

Inyange Industries Ltd. ist ein ISO 22000:2005 (food safety) zertifizierter Betrieb: ISO ist ein international anerkannter Standard, der (sofern er eingehalten wird) für den Konsumenten eine hohe Lebensmittelsicherheit garantiert.

Inyange industries Ltd. is certified with the international standard ISO 22000:2005. This is the international standard specifying the requirements for an organization in the food chain to control Food safety Hazards to ensure that food is safe at the time of human consumption.




Passionsfrüchte schmecken hier anders als die importierten Früchte in Europa: Man schneidet sie auf und sie schmecken süsslich, mit leicht säuerlichen Touch, Man isst sie als Dessert und Zwischendurch, wenn man etwas Süsses haben will- als Snack!

Passion fruit here in Rwanda taste different to the imported ones in Europe: Very sweet with a nice taste of acidity as well, Here, they are eaten as a sweet snack or as a kind of Dessert after lunch or dinner.







Fresh passion fruit are delivered by farmers in big jute bags. They are unloaded by several workers from Inyange and exactly weighed.

Von Kooperativen werden Jute Säcke, gefüllt mit Passionsfrüchte angeliefert und aufgrund des Gewichtes mit mehreren Mann vom Transporter abgeladen.
Very impressing was the weight of one bag filled with passion fruits: As it is visible in the picture, two bags have a weight of roughly 260kg.

For that reason three till four worker have to carry one bag together.

Danach werden sie gewogen: Sehr eindrücklich war das Gewicht der einzelnen Säcke ( man kann gar nicht glauben, wieviel so kleine Passionsfrüchte wiegen können). Ein Sack wiegt ca. 130 kg, 2 davon (auf der Waage abgebildet) haben ein Gewicht von 260kg,
After weighing, bags are emptied and passion fruit are filled into the first part of crushing machine.
As it is shown in the picture, passion fruit are washed roughly. High pressure water jets remove leaves and dirt that had stick to the fruit.

Nach dem Wiegen werden die Säcke in den ersten Teil der Saft-press-maschine entleert: Hier werden die Passionsfrüchte grob gewaschen.
Roughly washed passion fruit are transported to get inspected from workers: Just passion fruits of good marketable quality are used to produce Inyange Passion fruit juice.

Nach dem groben Waschprozess werden die Passionsfrüchte in den 2ten Teil der Maschine transportiert, wo Arbeiter faulige oder schon durch den Druck aufgeplatzte Passionsfrüchte entfernen.

Crashed, partly rotten or overripe passion fruit are separated and disposed.

Hier stehen 6 Arbeiter, deren Aufgabe es ist, genau zu schauen und qualitativ minderwertige Ware zu entfernen.
Next step of passion fruit production is shown in this picture: Fruit are cleaned thoroughly before they are crashed for juice production.


Im nächsten Schritt werden die Passionsfrüchte mit Bürsten und weiterem Wasser gewaschen: Steine, Blätter, Sand, Erde sollten nun fast vollständig entfernt sein.
After second cleaning passion fruit are transported to be crashed. The extraction process starts:
Fruit are broken down, seed fragments, peel and other solids are screened out.
Thus, juice and parings are separated and parings are disposed with a spiral conveyor 

Danach werden die Passionsfrüchte zerkleinert und der Saft ausgepresst. Die Schalen und die Kerne werden abtransportiert (Hier in Ruanda wird dies noch zu Scchweinefutter verarbeitet - während in der Schweiz solche Bioabfälle mittlerweile in die Biogasanlage gebracht werden), der Passionfruchtsaft gefiltert und in grosse Tanks gepumpt.
The fresh juice is centrifuged and pumped into big tanks, sugar-water solution is added and the juice is pasteurized (95°C -100°C for about 15 seconds) in a sterilized circuit.

After this process, passion fruit juice is homogenized and aseptic packaged.


Da es sich beim Inyange Passionsfruchtsaft per definition um einen Nektar handelt, wird dem frisch gepressten Saft eine Zucker-Wasser-Lösung beigefügt. Diese wird pasteurisiert.
Danach wird der Passionsfruchtsaft homogenisiert und in Aseptischen Verpackungsanlagen abgepackt.
What is aseptic packaging?
Aseptic packaging was firstly presented in 1961 in Switzerland and the company “Tetra Pak” became one of the leading suppliers. In an aseptic process, a sterile product like the pasteurized and homogenized passion fruit juice is packaged in a separately sterilized container. To sterilize these containers hydrogen peroxide (H2O2) is used. Hydrogen peroxide is a strong sterilizing agent and very effective in killing micro-organism because of its oxidizing properties. H2O2 reacts with proteins and membrane lipids of microorganisms. Thus, it causes a rupture of cell membranes. Concentration of the solution which is used (water based) for aseptic packaging process is between 25%-35% H2O2. Two techniques to sterilize food packaging can be used: Pass package through a hydrogen peroxide bath or spray the interior of the container with H2O2. However, at Inyange Industries Ltd. containers are sprayed with hydrogen peroxide. Hydrogen peroxide is a strong chemical which disappears completely when it is exposed to heat. Thus, after containers are sprayed with H2O2, package is exposed to heat and chemical structure of H2O2 decomposes. Therefore, no residues are left on packages and transferred to the product.


Was versteht man unter aseptische Abfüllanlagen/aseptische Verpackungssysteme?

1961 wurden aseptische Verpackungssysteme zum ersten Mal in der Schweiz präsentiert: Die uns allen bekannte Marke Tetra Pak wurde in den nachfolgenden Jahren Weltmarktführer für solche Verpackungssysteme.
In einem aseptischen Verpackungsprozess werden  sterile Produkte in einen ebenfalls sterile Verpackung gefüllt und heiss versiegelt.
Zum Sterilisieren der Verpackung wird Wasserstoffperoxid (H2O2 ) in 25 - 35%iger Lösung verwendet. Wasserstoffperoxid ist dahingehend sehr effektiv: Eines der stärksten einsetzbaren Mittel gegen Mikrooranismen in der Lebensmittelindustrie, H2O2 reagiert mit Proteinen in der Zellmembran der Mikroorganismen und löst diese auf. Es gibt 2 anwendbare Methoden für H2O2: Das Tauchen in eine H2O2 Lösung (Wasserbad), oder das besprüchen mit der Wasserstoffperoxidlösung. In INyange wird die Verpackung mit H2O2 besprüht. Danach wird die Verpackung mit Heissluft getrocknet; Mit dieser Methode wird H2O2 als Molekül zersetzt und es verbleiben keine weiteren Restbestände dieses für den Menschen giftigen Moleküles an der Verpackung.


Food and nutritional related advantages of aseptic packaging:
  -- Aseptic packaging ensures that the product is without any (harmful) bacteria (Food safety!)
  -- Product does not have to be refrigerated: energy-saving in transportation and storage

  -- Nutritional contents are protected with this system: less heat and no additives (like preservatives) have to be added












Vorteile von aseptischen Verpackungssystemen; 

-- gibt Sicherheit für Lebensmittel (keine bakterielle Kontamination)
-- Energiesparend, da das Produkt nicht gekühlt werden muss
--keine Konservierungsmittel erforderlich
--höherer Nährwert im Endprodukt



Bis dato sind keine Nahrungsmittel-verbundenen Nachteile bei aseptischen Verpackungsprozessen bekannt



At present, there are no food and nutritional related disadvantages of aseptic processing known.

After aseptic filling with passion fruit juice and hermetically sealing of the package, the next step is attachment of closure onto the package.

In a final step, packages are ordered and 12l are packed into one carton.





Nach dem Abfüllen des Passionsfruchtnektars in die Tetra-Pack-Boxen, werden sie heiss versiegelt. Ein Drehverschluss (blau auf den Bildern zu sehen) wird angeheftet.

Im letzten Schritt werden die Säfte in 12er- Kartonboxen abgepackt.



Fazit: Inyange Industries produziert mit dem Passionsfruchtnektar einen frisches und qualitativ sehr hochwertiges Produkt.
Die Passionsfrüchte werden von regionalen Bauern frisch angeliefert. Die ISO Zertifizierung 22000:2005 garantiert eine fortschrittliche Handhabung von Lebensmittelsicherheit.
Produktionsstandards sind auf hohem Nivau, durch den aseptischen Abfüllprozess müssen keine zusätzlichen Konservierungsmittel dem Produkt beigemischt werden.
Mit der Herstellung dieses Passionsfruchtsaftes werden regionale Bauern und ihre Kooperativen gefördert, der Lebensstandard kann somit erhöht werden, Bauern haben die Möglichkeit durch faire Preispolitik sich selbst aus der extremen Armut zu befreien..


Conclusion: Inyange Industries guarantees a really fresh produced passion fruit juice from freshly delivered, regionally grown passion fruit. ISO 22000;2005 certification provides an advanced and confidential level of food safety. Level of production is on high quality standards without any added preservatives in the product. With processing passion fruit, farmers from Rwanda are supported and living standards can be improved.

Dienstag, 25. August 2015

Praktikum in Ruanda: HELA goes Afrika!


HELA goes Afrika!

Im Auslandssemester (März- Juli 2015) an der FH Münster war in einem Modul ein Produktentwicklungsauftrag von der Firma Hela zu erfüllen.
Am Ende des Semesters wurde ein Besuch bei der Firma HELA organisiert, bei dem ein Vorschlag für ein neues Produkt für die Firma HELA der Geschäftsleitung präsentiert wurde.
Somit wurde ein persönlicher Kontakt hergestellt und dadurch blieb die Firma in sehr positiver Erinnerung. Ebenfalls die Produktlinie, die wir während der Ausarbeitung unserer Präsentation und auch danach kennenlernen durften.
Auf dem Schweizer Markt kennt HELA so gut wie niemand, HELA ist dafür im Norden Deutschlands sehr bekannt: Viele Haushalte haben immer HELA- Ketchup im Kühlschrank und verwenden es täglich für die Zubereitung verschiedener Nahrungsmittel.


WER oder WAS ist HELA?

Die Firma Hela ist ein Mittelständisches Unternehmen, das 1905 von Hermann Laue übernommen wurde, und seitdem noch immer in Familienbesitz ist. Hela verkauft versch. Gewürze und Gewürzsaucen (diverse BBQ- Saucen, Ketchup und ähnliches) und hat sich dadurch hauptsächlich im norddeutschen Markt im Laufe der Jahre eine führende Stellung gesichert.
(Ein Durchprobieren von den einzelnen Saucen ist empfehlenswert: Denn auch wenn beispielsweise der süsse Geschmack des HELA Gewürzketchups vor allem für den Süddeutschen oder Schweizer Gaumen etwas fremd ist: Bei dieser breiten Produktpalette findet sich etwas, das genau trifft!)

Da HELA durch die studentische Arbeit und auch wegen des besonderen Geschmackes etwas besonderes für mich darstellte, entschied ich mich, HELA – Saucen mit als Gastgeschenke nach Afrika zu nehmen.

Die afrikanische Familie, bei der ich lebe, war sehr neugierig auf den Geschmack, vor allem, da es sich bei HELA um ein Produkt handelt, das nicht überall in Europa erhältlich ist, sondern dadurch etwas ganz besonderes ist.

Mit freundlicher Genehmigung darf ich Fotos im Blog veröffentlichen: 

Kartoffeln: Vorgekocht, in Fett frittiert und danach mit HELA Grillsauce (Whiskey)
im Ofen überbacken

Die Grillsauce (Whiskey) - Kartoffeln, mit Leber (ganz links), Tomaten-focaccia (Rechts unten) und
 Tomatensauce (ganz rechts): Ganz lecker!

Ein Gastgeschenk, das Freude macht!
 Die oben abgebildete Dame im Afrikanischen Sitzkorb meinte ganz begeistert: "Sag HELA: Wir haben Land! Wir haben ein tolles Klima: Tomaten sind grossartig hier, und wir haben billige Arbeitskräfte! Die sollen kommen und ihr Ketchup bei uns produzieren! Wir brauchen das auch! Was soll ich nur machen, wenn die Flaschen leer sind?"


Toll, wenn Geschenke Freu(n)de machen!


Sonntag, 23. August 2015

Mumuji - Kigali Town

Am 2ten Wochenende meines Aufenthaltes entschied ich mich dazu Mumuji zu besuchen: 
The City Center von Kigali.
Das Zentrum, wo sich alles abspielt: Dort, wo gesagt wird: Hier ist der Fortschritt!

Mumuji - Kigali Town

Viele Menschen sagten mir in den ersten Sätzen einer Konversation: „Wir sind ein Entwicklungsland, wir orientieren uns an euch und versuchen alles, damit wir denselben Standard erreichen.“
Diese Haltung wird wohl von der Regierung vorgelebt.

Im Masterplan 2020 [1] soll ein Stadtzentrum entstehen, das repräsentativ für Ruanda sein soll: Ruanda soll ein fortschrittliches Land darstellen: Ein Stadtzentrum soll entstehen, das mit dem Rest der Welt mithalten kann.



Der Masterplan 2020 ist nicht mehr weit entfernt: Die meisten Bauten stehen schon, Rasenflächen sind schön gestaltet und werden sorgsam gepflegt. Wobei man an dieser Stelle sagen muss, dass ganz Kigali sehr sauber ist. Auch aus europäischer Sicht gesehen. Es ist zu betonen, dass die Achtsamkeit bzgl. der Sauberkeit ersichtlich ist.
In Mumuji treffen zwei Welten aufeinander: Ein Shoppingcenter und verhältnismässig grosse Supermärkte, in denen man so ziemlich alles erhält, das in Europa auch erhältlich ist.




Meine westliche Prägung kam hier plötzlich voll zum Vorschein: Als ich den Supermarkt mit der vollen Auswahl betrat (nachdem ich über 2 Wochen in kleinen Supermärkten Nähe des Wohnhauses eingekauft hatte, die eine sehr begrenzte Auswahl und auch meist nur die Grundlegenden Dinge anboten), überkam mich eine Art Glücksgefühl, das mich selbst überraschte. Zumal ich in Europa als diejenige gelte/auftrete, die eine solch riesige Auswahl nicht braucht.

Scheinbar doch: Die Auswahl, wenn sie vorhanden ist, vermittelt eine Art Freiheit. Man braucht sie nicht, ich würde auch niemals in einem Shoppingwahn verfallen, das liegt mir fern, aber die Freiheit der Wahl, das ist wichtig!
Der Supermarkt bot alles: Waschmaschinen, Fernseher, Tiefkühler, Küchenequipment, Kleidung, Bücher, und natürlich auch Nahrungsmittel. Bekannte Marken wie OMO, Barilla, etc. fand man hier vor. Die Preise: vielfach um einiges teurer als in Europa. Immerhin ist der Import und somit Zoll auch mit zu bezahlen: Ein 500g Packung Barilla Pasta kostet umgerechnet CHF 5.40 (€ 4.90).

Es gibt alles hier: zu (für Ruandesen) fast unerschwinglichen Preisen
 (Wechselkurs zu CHF: dividieren durch 700)
In Anbetracht der Tatsache, dass die Einkommen in Ruanda mitunter sehr niedrig sind, ist es nicht verwunderlich, dass das Shopping-Center, wo ein beispielsweise im „Bourbon-Coffee-House“ ein Kaffee 3CHF (oder € 2.80) kostet, meist Menschenleer ist. Ein Burger mit Pommes kostet CHF 8.30 oder € 7.50. Ein Kindermädchen oder Haushaltsgehilfin verdient einen monatlichen Lohn von ca. CHF 35 (€ 31), ein Primarschullehrer als Staatsangestellter ca. CHF 72 (€ 65).
Wobei Leute mit Universitätsabschluss (Bachelor) schon mit einem Einkommen von ca. CHF 350 (€ 320) rechnen können. Mieten sind im Vergleich zum Einkommen hoch: Für eine gemeine 3 Zimmer Wohnung sind durchschnittlich CHF 170.-- bis CHF 190.--(€ 155.-- bis - € 172.--) zu bezahlen.


Alles was dem Menschen das Leben leichter macht:
 die Infrastruktur, mit mehreren Stromausfällen täglich,
 ist noch nicht dazu ausgebaut....

Ein Primarschullehrer, mit einem monatlichen Einkommen von ca. 50.000 RWF
wird sich einen solchen Fernseher in diesem Leben wohl nie leisten können.

Somit ist es für einen „normalen“ Ruandesen selten möglich das wenige Geld, das er verdient auch noch für solche Dinge auszugeben: Denn Nahrungsmittel sind allgemein teuer, nicht nur im Citycenter Mumuji: Ein Sack Reis, 5 kg, parboiled, kostet umgerechnet CHF 22.— (€ 20.--) in den kleinen Supermärkten in den Wohngebieten.
 Im Supermarkt im Citycenter Mumuji kostet dieser Sack noch ein bisschen mehr. Dort sind die Preise generell um 10-20% höher als in den kleinen Strassen-Supermärkten in den Wohngebieten.
In diesem Supermarkt habe ich auch nur Ausländer einkaufen sehen: Inder, Chinesen, Amerikaner, Europäer.


Riesige Auswahl, Europäische Preise.


Bei Essen und Getränken ist auffällig, dass die importierten Produkte
teilweise deutlich teurer sind als in Europa (Vergleich Schweiz/Deutschland)

An fast jedem Regal stehen in jedem Supermarkt (ob klein oder gross) den man betritt, Angestellte: Sie sind da, um zu helfen, oder vielleicht auch zum Kontrollieren, ob nichts gestohlen wird: Aber meist sind sie aufgefallen, indem sie freundlich gefragt haben, ob sie behilflich sein könnten.
Anfangs war dies immer sehr befremdlich für mich. Ich habe stets abgelehnt: ich kann doch alleine einkaufen. Mir ist dann mit der Zeit aufgefallen, dass ihre Gesichter dann immer enttäuscht gewirkt haben, habe mir dann mal helfen lassen, weil ich auch Hilfe brauchte: Das ist eben scheinbar ihr Job, den Menschen beim Einkaufen zu helfen. Die Angestellten machen das echt gern – und zu sagen, dass man das alleine macht, wirkt, so interpretiere ich das jedenfalls, eher befremdlich.



Kigali-Tower- Shopping Center: Von Leere geprägt: Die Preise sind ungefähr so hoch wie in Deutschland: Für ein Essen  zahlt man 8-10 Euro.




Es gab Glace/Eis im Supermarkt, ich kaufte es und ass es während ich zur Busstation ging. Mir fiel auf, dass die Leute über mich redeten (Wenn man mehrmals das Wort „Muzungo“ in seiner Nähe hört (= Weisser), dann weiss ich, es wird über mich gesprochen). Ich fragte mich, wieso diesmal so häufig über mich gesprochen wurde und interpretierte, dass es etwas mit dem Glace/Eis zu tun haben muss: Und wirklich; Es ist in der afrikanischen Kultur nicht üblich, auf der Strasse und noch dazu während man läuft/geht, zu Essen.







Mit dem Masterplan 2020 versucht man hauptsächlich Ruanda für ausländische Investoren attraktiv zu machen. Damit soll der Fortschritt für alle kommen, Menschen sollte dadurch Arbeit bekommen und den Weg aus der extremen Armut finden, Schritt für Schritt.







Der Luxus, und gleichzeitig die krasse Armut. 2 Gegensätze die extrem ins Auge fallen: Infrastruktur, die dringendst ausgebaut werden muss: Mehrmals pro Tag fällt der Strom aus. Im ganzen August (heute ist der 19.8.) hatte die Bevölkerung Stadtteil Gizosi in Kigali insgesamt 4 Tage fliessendes Wasser. An allen anderen Tagen musste Wasser von einer Gemeinschaftsquelle in 20l- Kanistern in die Häuser geschleppt werden.
„In the dry season, water is a problem“, sagen einem die Menschen.
Gleichzeitig wird mit Lastwägen Wasser nach Mumuji und ins nahegelegene Viertel, wo die ausländischen Botschaften angesiedelt sind, gebracht, um Rasenflächen zu bewässern: „Wir müssen unsere Umgebung schön halten.“ Sagte man mir, als ich dahingehend entsetzt reagierte.
Das sind Dinge, die ich nicht verstehe.

Jedoch ist dies scheinbar Teil des Masterplanes.
Alles was in Kigali und Umgebung sichtbar ist, wurde in den letzten 20 Jahren (nach dem Genozid im Jahre 1994) förmlich "aus dem Boden gestampft".
Ruandesen sind Patrioten, das Land ist im Aufbau, Investoren sind willkommen, Bürokratie für ausländische Investoren ist auf einem minimalen Level. Korruption ist im Vergleich zu den umliegenden Afrikanischen Ländern verschwindend gering.
Und die Bevölkerung steht geschlossen hinter ihrem strengen Präsidenten Kagame, der für diese Entwicklung steht.






Schön angelegte und gepflegte Gartenanlagen.



Neue und moderne Busstationen in Kigali- Town.





Es wird alles nur mögliche gemacht, um am Weltmarkt endlich eigenständig mitmischen zu können.
Als Ruandese muss man flexibel sein: und wandlungsfähig.
Veränderung findet hier im Zeitraffer statt.
Noch schneller ist nicht mehr vorstellbar…



Quellen: 
[1] http://www.rdb.rw/uploads/media/KIGALI_CONCEPTUAL_Master_Plan.pdf , aufgerufen am 18.8.2015

Montag, 17. August 2015

Praktikum in Ruanda: Du bist MUZUNGO!

Folgender Bericht ist ein Erlebnisbericht: Erlebnisse, die man aufgrund der „Hautfarbe“ in Afrika/Ruanda macht.

Muzungo,
Ein Wort, das ich gleich am ersten Tag von meiner Anreise erklärt bekommen habe, als mir aufgefallen ist, dass ich von einigen Leuten auf der Strasse angestarrt werde, gemustert, begutachtet.
„Weil du eine Muzungo bist!“
„Was ist denn Muzungo?“
„Es ist der Ausdruck für einen „Weissen Menschen“ hier in Afrika.“

Muzungo wird hier in Ruanda gebraucht wie bei uns in Europa noch vor 20-30 Jahren das Wort Neger: Nicht abwertend, aber differenzierend. Es war damals normal für uns zu sagen, „das ist ein Neger“ – genauso normal es für die Afrikaner ist, zu sagen: „Das ist ein/e Muzungo.“ Nie im Leben hätten wir in meinem Umkreis damals das Wort Neger abwertend gedeutet, genauso wie die Afrikaner das Wort Muzungo nicht als Abwertend einsetzen/gebrauchen.
Es wurde uns dann Mitte der Neunziger gesagt, dass das Wort „Neger“ als abwertend empfunden wird und somit im Alltag zu vermeiden ist.
Somit ist es nun im heutigen Sprachgebrauch fast nicht mehr zu finden.

Scheinbar gibt es einige Leute, die es nicht so toll finden,
an jeder Strassenecke "Muzungo" genannt zu werden:
und somit sind in einigen Läden bereits
T-Shirts mit dieser Aufschrift zu finden.[1]


Als „Muzungo“ ist man oftmals auch eine Art Statussymbol. Viele Leute wollen in Kontakt mit einem treten.
Die allgemeine Auffassung ist: Muzungo ist reich. Muzungo hat Geld. Muzungo kommt aus Europa: Europa ist reich, in Europa kann man alles machen und alles haben. Es scheint, als ob ganz Afrika auf Europa (und auf Amerika) schaut: Das gelobte Land: Das Paradies.
Das stimmt auch soweit, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn genauso wie hier in Afrika muss man in Europa sein Leben managen und etwas fürs Überleben tun. Das wird natürlich dann weniger gesehen. Für die meisten Ruandesen ist Geld die allgemeine Lösung für alles. Medien verstärken das Bild.

Einmal, auf dem Weg zur Arbeit standen 3 Frauen am Weg, begutachteten mich und sagten dann laut, unüberhörbar: „Muzungo!“ – offensichtlich ohne dass sie mich dabei direkt ansprechen wollten.

Auch wenn man die Landessprache nicht beherrscht, ist es möglich gewisse Phrasen in gewissen Situationen zu interepretieren: Im Bus sassen auf 3 Plätzen 3 Personen, unter anderem auch ich: Somit war, nach Ruanda- Standard, noch 1 Platz frei neben mir: Der Bus-Chauffeur deutete mit dem Zeigefinger neben mich, als noch ein Fahrgast einsteigen wollte und sagte in der Landessprache Kinyarwanda etwas: Das Wort Muzungo fiel ebenfalls. Ich interpretierte: Das müsste heissen soviel wie: „ Setz dich neben die Muzungo!“

Einige junge Männer sind auf der Suche nach einer Muzungo als Frau, das wird auch offen kommuniziert: Im Bus, auf dem Weg zur Arbeit, herrscht mittlerweile eine Art „Rangordnung“, wer sich während der knapp 1 stündigen Busfahrt neben mich setzt, und sich mit mir unterhält. Langweilig wird einem als „Muzungo“ nicht.
Letztens hat ein Arbeitskollege auf der Busfahrt gesagt, dass er mal nach Europa reisen will, um sich Europa anzusehen, und: Er will sich eine Frau dort suchen. „Ahja?“ fragte ich erstaunt. Ja, das wolle er. Aber er wüsste nicht, ob es angebracht wäre, ob denn die Väter in Europa das zulassen würden, wenn die Tochter plötzlich mit einem Mann aus Afrika ankommen würde. Ich erklärte, dass es Frauen in Europa gibt, die mit einem Mann aus Afrika verheiratet sind, und dass so etwas in den meisten Familien schon akzeptiert wird. Seine weitere Frage war, ob es denn mein Vater akzeptieren würde, wenn ich einen Afrikaner zum Manne hätte.  --->oha. Nun wusste ich, auf was die Frage hinausläuft. Ich antwortete: Meine Eltern müssten meine Entscheidung akzeptieren, das wäre die allgemeine Haltung in Europa, wobei sich diese Frage bei mir nicht mehr stelle: Ich zeigte ihm meinen Ring an meinem linken Ringfinger, den ich bewusst, als einziges Schmuckstück trage. Sofort holte ich mein Smartphone aus der Tasche und stellte ihm stolz meinem „Fiancé“ (Lebenspartner) vor: Einige Fotos zeigte ich ihm, um zu signalisieren: Du kannst es ja versuchen eine Frau aus Europa zu bekommen, aber ich bin schon glücklich vergeben.
Zufällig am selben Tag fragte mich derjenige, der auf Arbeit für mich zuständig ist, wie ich denn die Männerwelt hier in Ruanda wahrnehme. Ich wusste nicht auf was die Frage hinausläuft und fragte deshalb nach, was er denn genau meint. Er erklärte mir: „Viele Männer sehen weisse Frauen als eine Art Statussymbol. Für junge Männer sind weisse Frauen ebenfalls eine Art Ausdruck der Veränderung in der Gesellschaft und um etwas Neues, ganz anderes zu machen. Und Du als Weisse wirkst natürlich somit doppelt interessant für diese Art von Männer.

Aufgrund der allgemein herrschenden Auffassung „Muzungo = reich“ gibt es hier beim Einkaufen auch „Muzungo- Preise“. Als Muzungo zahlt man mehr.

Letzens im Buch sass „Olivier“ neben mir: Olivier war ein junger Mann, der mit bei mir wöhrend der Busfahrt ein Gespräch begann und fragte, wieso ich nicht mit dem Auto fahren? Sein Englisch war sehr schlecht, darum fragte ich nach, was er meinte: "Kauf doch ein Auto! Dann kannst Du durch Kigali fahren!"
"Aber ein Auto ist teuer- und ausserdem will ich nicht selbst mit einem Auto durch diese Stadt fahren," entgegnete ich ihm. "nein- ein Auto ist nicht teuer! Für Dich nicht! Ein Auto ist billig für Dich!" entgegnete er energisch - eigentlich gar nicht entsprechend der höflichen ein netten Art der Ruandesen.

Letztens an einer Busstation: ein behindertes, verwahrlostes Kind bettelte um Geld (Es gibt zwar sehr wenig Bettler hier, jedoch wenn diese eine/n Muzungo sehen, dann wird darauf zu gerannt). Ich dachte, ich gebe ihm eine Münze. Als ich im Portemonnaie kramte, standen plötzlich weitere 3 Kinder mit offener Hand vor mir.
Ich war überfordert mit dieser Situation. Entschied mich dann, mit extrem schlechtem Gewissen, keinem etwas zu geben. àwo fängt es
Am nächsten Tag auf Arbeit fragte ich eine Arbeitskollegin (Ruandesin), was man in so einer Situation tun sollte. Sie meinte: „Gar kein Geld geben.“ Sie erklärte folgendes: Die Regierung hätte auch dahingehend schon vor Jahren Einrichtungen geschaffen, in denen Familien mit behinderten Kindern unterstützt würden: Hauptsächlich Bildungstechnisch: Behinderte Kinder könnten dort lernen mit ihrer Behinderung umzugehen und es würden Möglichkeiten für eine Eingliederung in die Gesellschaft geschaffen. Es gäbe aber immer noch genügend Familien, die dies ablehnen und die Kinder eher zum Betteln schicken. Veränderungen würden oftmals aufgrund mangelndem Verständnis und Bildung ungern mitgetragen werden.

Eine weitere „Muzungo- Geschichte“ ist folgende: An einer Busstation bettelte ebenfalls ein behinderter Junge: Er fragte bei vielen Menschen um Geld, bis ihn dann einige Leute wegschickten, mit dem Finger auf mich zeigten und in ihrer Landessprache etwas sagten- das Wort „Muzungo“ fiel ebenfalls. Der Junge lief dann sofort zu mir und bettelte bei mir. Ich interpretierte daraus, dass sie einfach sagten: „Geh doch zur Muzungo- die hat Geld“.

Solche Situationen überfordern. Definitiv. Zum Einem, weil ich gerne bereit wäre etwas zu geben, zum Anderen; Wo fängt man an und wann ist Schluss. Es hört nicht auf. Und die allgemeine Meinung: Muzungo= reich= hat das Geld= kann davon etwas abgeben.
Somit habe ich mich bisher entschieden, fremden, mir unbekannten Menschen einfach nichts zu geben.









Eine Europäerin, die ich hier kennengelernt habe (sie ist mit einem Ruandesen verheiratet), sagte mir, dass sie mittlerweile sehr strikt und eher kalt gegenüber Ruandesen ist, da sie nie weiss, ob sie freundlich sind, weil sie sich einen Vorteil erhoffen (= Mehrheit) oder weil sie wirklich an einem als Menschen selber interessiert sind. Sie hätte die Erfahrung gemacht, dass man oftmals, sobald klar wird, dass die Muzungo-Ruandese- Freundschaft/Beziehung keinen monetären Vorteil bringt, fallen gelassen wird, wie eine „heisse Kartoffel“.

Zum Anderen ist ersichtlich ( gemäss europäischer Denkweise), dass der Bezug zum Geld hier ein anderer ist, als der, den man in Europa gelernt bekommt: Die meisten (!—nicht alle) Europäer kalkulieren und setzen mit Mass und Ziel ihr Geld je nach Einkommen ein. Hier sehe ich, dass viele Menschen (vor allem Männer), die zwar arbeiten und (teilweise minimales) Gehalt verdienen, dies nach Erhalt innert ein paar Tagen ausgegeben haben. Sobald Geld vorhanden ist, auch wenn es sehr wenig ist , wird es ausgegeben, oftmals auch für Dinge, die im Fernsehen/Medien präsentiert werden und die dazu dienen, sich selbst besser darzustellen (Schmuck, Make Up, Frisuren, Mode, Leisurement)- ein gutes Gefühl zu geben, anstatt auf die essentiellen Dinge wie Nahrung etc… zu setzen.
Dieser Umstand ist aber dann nicht sofort Lebensbedrohend, denn Familienbande sind hier noch sehr stark ausgeprägt: Ist eine Person in der Familie vorhanden, die ein höheres Einkommen besitzt, dann stellt es gesellschaftlich gesehen überhaupt kein Problem dar, im Haus dieser Person mit zu wohnen, zu Essen und zu trinken. „That’s normal, he/she has the money. He/She can give it to me!“
Das ist ein Satz der oftmals in solchen Situationen zu hören ist. Dies ist hier auch nicht böse gemeint, es ist einfach gesellschaftlich/kulturell fast generell so gesehen.


 
Der gebildete Teil der Bevölkerung, mit dem ich beispielsweise auf Arbeit zu tun habe, sieht den Umgang mit Muzungo – und auch den Stereotypen dahinter aus einer völlig anderen Sicht. Diese Leute haben unter anderem in Bezug auf Geld durch Familie und Schule(wie wir auch)gelernt, zu kalkulieren, vorausschauend zu agieren. Für mich ist es in dieser so fremden Kultur wunderbar, Menschen zu treffen, die ihr Studium in Europa oder Amerika, Kanada absolviert haben: denn dieses Studium hat deren Sichtweise, Denkweise und Weltanschauung derart verändert und man kann sich somit trotz der kulturellen Unterschiede auf einer einheitlichen Ebene begegnen und ist sich somit nicht völlig fremd.

Die meisten „Muzungos“ hier in Ruanda sind Expats: Leute, die für versch. Ausländische Institutionen hier nach Ruanda geschickt wurden und arbeiten: Diese leben in einem von ihrer Institution angemieteten Haus, haben ihre 3-4 Angestellten, fahren teure, grosse Autos. Die Mieten für diese Häuser sind extrem überteuert und die Angestellten bekommen meist das 5-10 fache an Gehalt als Angestellte von Einheimischen Ruandesen. Es ist in Ruanda bereits ein Diskussionspunkt, dass diese Expats Marktzerstörend wirken, weil eine Art Ungleichheit entsteht: Dieselbe Arbeit wird mit einem extremen Unterschied entlohnt (Beispielsweise bekommt ein Homeboy eines Ruandesen 20.000-30.000 RWF pro Monat. Ein Homeboy eines Expats bekommt für dieselbe Arbeit zwischen 100.000 RWF und 200.000 RWF).


Ausserdem wird somit auch das Bild/Stereotype des „Muzungo = Geld“ verstärkt. Dass diese Häuser und dieser Lebensstandard nicht von den Expats selber bezahlt werden, wissen die wenigsten Menschen: Neid, Missgunst untereinander sind somit ebenfalls eine logische Konsequenz: Das Gefühl weniger Wert zu sein, ist omnipräsent.
„Wir wollen dahin wo Europa ist, endlich gleich sein wie Europa.“ Sagte mir ein Ruandese letztens. „Ich glaube in 10 bis 15 Jahren haben wir das auch geschafft, dann sind wir genauso wie ihr!“

Diesen Satz werde ich wohl nie vergessen: Das Augenmerk ist extrem auf Europa gerichtet, endlich ebenbürtig zu sein, endlich gleich-wertig zu sein. Das ist eine Haltung, deren Ursprung wahrscheinlich in der Kolonialzeit zu finden ist.



Quellen: [1] https://karenanddeon.files.wordpress.com/2012/03/img_2282_thumb.jpg?w=518&h=390 aufgerufen am 24.8.15

Donnerstag, 13. August 2015

Praktikum Ruanda: Getränkeindustrie - Mineralwasser

"Wieso macht man als Lebensmitteltechnologiestudent, der noch dazu an der ZHAW, in der Schweiz studiert, ein Praktikum in einem Entwicklungsland? Ein Praktikum in Kigali, Ruanda?"
Das war die gängigste Frage, die mir immer und immer wieder gestellt wurde.

Das ständige Erklären, ja es war schon fast ein Rechtfertigen, verunsicherte mich mit der Zeit, das muss ich zugeben.
War es denn wirklich so eine Schnapsidee in Ruanda ein Praktikum zu machen? Die meisten Leute standen der Sache sehr, sehr skeptisch gegenüber.

In folgendem Blogbeitrag wird ein Auszug meines Praktikums erläutert: und auch der technische Standard grob umschrieben, zur allgemeinen Erklärung.
Dass das Praktikum derart viel bringt, wird mir erst jetzt wirklich bewusst:



"Wasser ist Leben!" In meiner Lehrzeit war das ein Satz, den einer meiner Meister immer sagte, wenn er sich etwas zu trinken holte.

Wasser ist Leben! Um die Menschen hier in Kigali mit sicherem, trinkbaren Wasser zu versorgen, muss es speziell behandelt werden. Denn die Versorgung mit sauberem Wasser ist nicht selbstverständlich, Genauso wenig selbstverständlich, wie es noch vor 60-70 Jahren in Europa war.

Meine Generation hat nun sauberes Trinkwasser: Sogar in jeder Wasserleitung: Sogar für die Toilettenspülung verwenden wir sauberes Trinkwasser(!). Meine Generation hat dies aber nur, weil die Eltern und Grosseltern hart daran gearbeitet und mitgeholfen haben, eine solche Infrastruktur überhaupt aufzubauen.


Gasabo Distrikt ist ein Teil Kigalis. Kigali ist eine Stadt mir sehr vielen Grünflächen und eben auch einer ergiebigen Wasserquelle in Gasabo.


Wasser ist Leben.

Hier in Inyange Industries wird Wasser von einer Quelle in Kigali ( Gasabo District) mit Tankwägen geholt.
Dieses Wasser wird einer speziellen Behandlung unterzogen, die mit neuesten Maschinen, europäischen Standard entsprechend, vollzogen wird.
Es war mir erlaubt einzelne Dinge zu fotografieren. Produktionsabläufe im Detail sind hier nicht beschrieben, nur allgemeine Dinge. Aus Datenschutzgründen.





Zur Wasseraufbereitung wird unter anderem Ozon benutzt: Ozon (O3) ist ein starkes Oxidiationsmittel: Derzeit das stärkste, das einsetzbar ist für Wasseraufbereitung. 
Das heisst: Innert kürzester Zeit werden Bakterien, Viren und andere Schmutzstoffe oxidiert - also zerstört. Ozon selbst zerfällt innerhalb kurzer Zeit und wandelt sich in Sauerstoff um.
Somit ist diese Technik zur Desinfektion frei von Rückständen im Mineralwasser, effektiv und ebenfalls ohne gesundheitliche Bedenken einsetzbar.
Ozon wird in einem eigenen Ozon-Generator hergestellt.
Das Mineralwasser von Inyange wird noch sicherheitshalber 3 Tage gelagert, bevor es zum Verkauf freigegeben wird, um zu garantieren, dass keine einzige Flasche Mineralwasser mit Rückständen von Ozon zum Konsumenten gelangt.

Die Behandlung mit Ozon wird hier mehrere Male durchgeführt.


Sandfilteranlage

Ebenfalls wird das Wasser durch Sandfilter gepumpt. Dieser Vorgang filtert Partikel und Schmutzstoffe aus dem Wasser. Einmal wöchentlich wird dieser Filter vollständig gereinigt, wobei der Sand in der Sandfilteranlage dadurch immer wieder verwendet werden kann.



Aktiv-Kohlefilter

Um sicher zu gehen, dass auch keine chemikalischen Rückstände, Pestizide und nicht erwünschte Geschmacksstoffe im Mineralwasser vorhanden sind, wird das Wasser durch Aktiv-Kohlefilter gepumpt. Nach dieser Behandlung kann man davon ausgehen, dass das Wasser frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen ist (dies wird natürlich ständig im Labor untersucht),

Ebenfalls wird das Wasser 2mal mit UV bestrahlt: UV dient der Entkeimung und ist eine umweltfreundliche und Chemie-freie Technik zur Wasseraufbereitung.




Mikrofiltrationsanlage


Mehrere Male im gesamten Wasseraufbereitungsverfahren wird Mikrofiltration in  versch.  Porengrössen angewandt. Ohne Einsatz von Chemikalien werden hier ebenfalls Partikel (Bakterien, Schmutzstoffe, etc..)zurückgehalten.

Somit wird hier wirklich auf Nummer sicher gegangen, was die Wasserqualität und die Keimfreiheit angeht. Die eingesetzte Technik ist auf neuestem Standard.
Ich fragte mich, wieso das Mineralwasser hier in so vielen Schritten aufbereitet wird. Es war mir, als ob hier doppelt auf Nummer Sicher gegangen wird. Es wurde mir gesagt, dass dies dem europäischen Standard entspräche: Deutsche und Schweizer Ingenieure hätten dies ausgearbeitet.
Soviel ich aber weiss (und vielleicht werde ich ja bald eines besseren belehrt), werden bei uns in Europa nicht derart viele Schritte zur Wasseraufbereitung vollzogen, wie hier.
Ich schätze mal, dass das Wasser hier von anderer Qualität ist, als das europäische und deshalb müssen auch derart viele Schritte um reines Trinkwasser zu gewinnen, vollzogen werden.

Selber habe ich mir einen Katadyn-Wasserfilter für den Afrika- Aufenthalt gekauft:


Katadyn Wasserfilter [1]


Es handelt sich dabei um einen Keramikfilter, der Bakterien und Schmutzpartikel rausfiltert. Sofern Chemikalien im Wasser vorhanden wären, oder auch Viren, würden diese nicht herausgefiltert.
Ebenfalls bleiben beim Katadyn Wasserfilter Geschmacksstoffe im Wasser vorhanden.
Aber er ist definitiv nicht von Nachteil: Ich verwende ihn fast täglich; Zusätzlich trinke ich sauberes, klares und geschmacksfreies Inyange-Mineral Water:

Inyange Mineral Water [2]

Um auf die zu Beginn gestellte Frage einzugehen, wieso man so ein Praktikum in einem Entwicklungsland, wie Ruanda es ist, macht:

Die Technik ist auf europäischen Niveau. Es werden dieselben Maschinen und Produktionsanlagen wie in Europa benutzt: nur "the environment is different". Das an der ZHAW- Wädenswil erlernte Grundwissen kann ich hier genauso in die Praxis umsetzen, wie in Europa.
Die Infrastruktur des Landes ist jedoch noch auf einem Niveau von vor 50 Jahren (aus europätischer Sicht). Logistisch gesehen steht diese Industrie vor Herausforderungen, die bei uns gar nicht mehr denkenswert sind.
Somit hat man bei einem Praktikum hier mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: 
Kultur, Technik, Weiterbildung,
So ein Paket an Erfahrungswerten bekommt man selten in so kurzer Zeit.
Es ist grossartig!





Quellen; [1]http://shop.katadyn.com/media/dimg/8e0a8fe27f9c37701647e9592578c976.jpg?l=5
[2]http://www.businessdirectory.rw/IMG/jpg/kanogo-900x600cm-inyange-water.jpg